Kulturstadt Königswinter - Navigation



Kapitel 1

Einleitung

Als die Bundeskanzlerin den neuen Lockdown verkündete, berichteten die Medien auch über die Ernennung von Chemnitz zur europäischen Kulturhauptstadt 2025. Worüber ich mich sehr gefreut habe. Denn Chemnitz hat weit mehr zu bieten, als die Bilder der Krawalle und rechtsradikalen Ausschreitungen vor zwei Jahren. Die Stadt setzt seit den 90er Jahren auf Technologie, Innovation und Kultur. Bei der Auswahl unter den vielen Bewerbern (u.a. Hannover und Nürnberg), legte die international besetzte Jury Kriterien, wie langfristige Kulturentwicklungsplanung, künstlerische Qualität und die Erreichung und Einbindung der Gesellschaft an. Hut ab für die visionäre Strategie der ChemnitzerInnen, die damit auch ihre Wirtschaft ankurbeln, soziale Probleme angehen, populistischen Tendenzen mit europäischem Ansatz entgegentreten und ihr negatives Image ablösen wollen.

Königswinter kann vielleicht nicht Kulturhauptstadt Europas werden, sich aber zu einer Stadt mit nachhaltigem Kulturangebot und einer Vision mausern. Und darum geht es in diesem Papier, das als Anregung für die Arbeit des neuen Ausschusses, des Stadtrates allgemein und für die weitere Diskussion gedacht ist.


Die Kulturausgaben der Stadt Königswinter liegen weit unter dem Bundesdurchschnitt und sind 40 % niedriger als der Durchschnitt von Städten mit 20- bis 100.000 Einwohnern. Zudem wird der Löwenanteil für die Finanzierung fester Einrichtungen, d.h. die Musikschule, VHS und das Museum ausgegeben. Die Ausgaben für Kulturförderung sind verschwindend gering. Die Nähe zu Bonn taugt wenig als Argument. Denn unser Städtevergleich (Kapitel 2) zeigt, die Nähe zu einer Großstadt ist bei anderen vergleichbaren Städten kein Grund, keine regelmäßigen, vielfältigen Kulturveranstaltungen durchzuführen oder keine Räumlichkeiten für kulturelle Aktivitäten bereitzustellen. Im Gegenteil. Ähnlich situierte Kommunen nutzen dies als Standortvorteil und bauen auf

die positive Wirkung von kommunaler Kultur auf die Wirtschaft, auf Standortattraktivität und Tourismus.

Wir wollen, dass auch bei uns ein dauerhaft qualitativ hochwertiges Kulturangebot – gefördert von der Stadt – entsteht, das alle gesellschaftlichen Gruppen in Königswinter, sowohl im Berg als auch im Tal, einbindet und erreicht.

Die politischen Parteien auf Bundesebene sind sich einig, dass das Verständnis von Kulturförderung als lediglich freiwillige Leistung von Verwaltungen der Bedeutung kommunaler Kulturpolitik nicht gerecht wird. Kultur ist kein Luxus, sondern „politische Pflichtaufgabe“ (Deutsche Städtetag).

In Königswinter ist eine Wende im Bereich Kulturpolitik erforderlich, um dieser gesellschaftlichen Pflicht nachzukommen. Kulturpolitik ist Bestandteil kommunaler Daseinsvorsorge für die Lebensgestaltung und Sinnfindung der Menschen, für frühkindliche Förderung, für Jugend, den interkulturellen Dialog und für die Integration von älteren Menschen.


Mit dem Ziel, Königswinter zur Kulturstadt zu entwickeln, haben wir einen Kulturentwicklungsplan für die nächsten fünf Jahre erarbeitet.

Mit einer jährlichen Erhöhung der Mittel für die Förderung von Kultur und Kulturveranstaltungen um 2 Euro pro EinwohnerIn soll

  • das akute Bedürfnis gedeckt,
  • ein kontinuierliches Angebot entwickelt, und
  • eine mittel- bis langfristige Strategie u.a. 
    durch den Einsatz einer Kulturmanagerin / eines 
    Kulturmanagers schrittweise realisiert werden.

In der initialen Phase ist ein starkes bürgerliches Engagement notwendig. Wir, der Verein Nicht Davor Nicht Dahinter - Kultur und Kunst Königswinter e.V. und viele Kulturschaffende, stehen mit unseren Mitteln, unserer Erfahrung und unseren Kontakten selbstverständlich unterstützend zur Seite. Wichtig ist, möglichst viele der Kulturschaffenden und bestehenden Initiativen in Königswinter auf dem Weg zu unserer „Kulturstadt Königswinter“ mitzunehmen. Eine (noch unvollständige) Liste von kulturrelevanten lokalen Initiativen liegt bei.

Wir hoffen, dass unsere Ideen die Verantwortlichen in der Stadt und im Stadtrat von der Vision Kulturstadt Königswinter und den Schritten dahin überzeugen und zum Handeln motivieren können.

Königswinter, den 30.10.2020


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