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Kapitel 5

Finanzierung

Wenn wir im Folgenden auf die Finanzierung eingehen, beziehen wir uns im Wesentlichen auf die Budgetlinie „Kulturförderung“. Wir setzen uns nicht mit der Etat-Linie „Kultur & Wissenschaft“ auseinander, welche vor allem die Finanzierung bestehender fester Einrichtungen wie der Volkshochschule Siebengebirge, der Musikschule der Stadt Königswinter sowie des Siebengebirgsmuseums beinhaltet. Dennoch möchten wir an dieser Stelle festhalten, dass auch diese Budgetlinie im Wirtschaftsplan deutlich niedriger angesetzt ist als bei den Vergleichskommunen (siehe Tabelle auf den Seiten 4 bis 5). Ebenso wenig setzen wir uns mit der Budgetlinie „Ausgaben für Kulturveranstaltungen“ im Detail auseinander. Sie enthält auch Ausgaben für städtisches Personal und bedürfte insgesamt einer detaillierten Analyse. Inhaltlich bewerten wir auch nicht die bisherigen Fördermaßnahmen im Bereich „Ausgaben Kulturförderung“. Es geht uns hier um die Entwicklung und Finanzierung eines nachhaltigen kulturpolitischen Konzeptes für Königswinter.

Für Königswinter gibt es zahlreiche Chancen der Finanzierung und Förderung von Kultur, die unserer Ansicht nach nicht oder bisher nicht ausreichend ausgeschöpft werden:

  • Die Beantragung von Projektförderung des Landes bzw. Bundes für und die finanzielle Unterstützung von Anträgen der lokalen Kulturschaffenden bzw. - initiativen
  • Die Mitgliedschaft Königswinters im Kultursekretariat NRW - Gütersloh
  • Die Beantragung von Projekten im Rahmen des Kleinprojektefonds kommunale Entwicklungspolitik, der u.a. auch Projekte im Bereich Integration etc. fördert
  • Die Beantragung von Projekten im Bereich der Initiative “Heimat” des Landes NRW
  • Die Unterstützung von Anträgen lokal ansässiger Kulturschaffender auf Landes- oder Bundesebene
  • Die Beantragung von Mitteln zur strukturellen Kulturförderung bei unterschiedlichen Ministerien wie z.B. dem BMEL (BULE, Bundesprogramm Ländliche Entwicklung - Programm „LandKULTUR“), beim BMFSJ (Mehrgenerationenhäuser), beim BMUB (Programm „Kleinere Städte und Gemeinden oder der Wettbewerb „Menschen und Erfolge. Aktiv für ländliche Infrastruktur“) usw.
  • Die Beantragung von Mitteln bei Stiftungen wie z.B. das Programm „Engagierte Stadt“ (eine gemeinsame Initiative des BMFSFJ und sechs namhafter Stiftungen: Bertelsmann Stiftung, BMW Stiftung Herbert Quandt, Generali Zukunftsfonds, Herbert Quandt-Stiftung, Körber- Stiftung und Robert Bosch Stiftung).
  • Die Mobilisierung von Mitteln aus dem Privatsektor (Public Private Partnership)

Um jedoch sinnvoll diese Chancen nutzen zu können, bedarf es unserer Ansicht nach eines Anschubs durch die Kommune selbst.

Kommunale Finanzierung schafft die Grundlage für die Zukunft

Im ersten Jahr werden mit der Erhöhung der Kulturförderung um 2 Euro pro EinwohnerIn- nen (gesamt rd. 80.000 Euro) die o.g. Veranstaltungsreihe sowie die Beteiligung an Anträ- gen der Kulturschaffenden realisiert.

Denn mit einem Durchschnittsbudget von 2.000 Euro pro Veranstaltung (Honorare, Tech- nik, sonstige Nebenkosten) können 2021 insgesamt etwa 40 Veranstaltungen finanziell unterstützt werden. Hier kommt es auf eine gesunde, sinnvolle Zusammenstellung bzw. Kuratierung an.

Die Honorare können unterschiedlich ausfallen: Während ein Kindertheater manchmal für 500 Euro zu buchen ist, kostet die Band Brings aus Köln bis zu 5.000 Euro. Das Honorar einer lokalen Musikformation würde unter 1000 € liegen, eines Streichquartetts auf regionalem Niveau bei 1.200 bis 1.600 Euro, eines Solopianisten auf internationaler Ebene bei 5.000 Euro. Bei Bands, Comedy-Acts und Kabarettisten usw. wird oft eine Mischung aus Garantiegage und Einnahmebeteiligung ausgehandelt. Hierbei müssten die Spielorte und die Veranstaltungsreihe erst etabliert werden, sowohl beim Publikum als auch in Künstlerkreisen. Im Übrigen, Bands, Kabarettisten usw. auf Tournee sind meistens preislich günstiger.

Fiktives Beispiel: Eine Veranstaltung mit BestsellerautorInnen, wie Juli Zeh oder Sebastian Fitzek im Eselstall (Altstadt), wo ohnehin Lesungen stattfinden, könnte durchaus mit einer finanziellen Beteiligung der Stadt mit etwa 500 Euro und Eintrittsgeldern realisiert werden.

Auch die Kosten für Technik und Räumlichkeiten variieren: Während die Beschallung für eine Stand-up Show wenige hundert Euro kostet, sind die Kosten für ein Open-Air Musikfestival logischerweise hoch. Mengenrabatte mit professionellen Ton- und Lichttechnik- firmen sind gang und gäbe.

Im zweiten Jahr werden bestehende Möglichkeiten der externen Finanzierung von Maßnahmen der Kulturpolitik eruiert und dann im 3. bis 5. Jahr konsequent genutzt und im Rahmen des Kulturkonzeptes und Entwicklungsplanes für Königswinter beantragt. Die jährliche Erhöhung der Kulturförderung wird fortgesetzt.

1. Königswinter beteiligt sich an kulturellen Veranstaltungsreihen/-angeboten der Region

Königswinter wird Mitglied im Kultursekretariat Gütersloh, das in erster Linie kleinere und mittlere Städte anspricht und kulturelle Veranstaltungsreihen von Bands, Theatern u.a. in mehreren Städten NRWs unterstützt. Dies schafft für Königswinter nicht nur zusätzliche Möglichkeiten, an den kulturellen Angeboten anderer Mitgliederstädte teilzuhaben, sondern unterstützt auch das Beziehungsnetz mit Kulturschaffenden der Region.

2. Königswinter beantragt Fördermittel für Kulturvorhaben im Rahmen des Programmes „Heimat“ (Land-NRW) oder im Rahmen von SKEW (Servicestelle Kommune in der Einen Welt)

In der Regel muss die Kommune als Antragstellerin selbst nur einen geringen Anteil /Betrag einsetzen, um ein Vielfaches der beantragten Finanzmittel einzuwerben.

3. Königswinter unterstützt Projektanträge von Kulturschaffenden

Zahlreiche Projektanträge von Kulturschaffenden beim Land NRW oder auf Bundesebene setzen die Förderung durch weitere öffentliche Einrichtungen voraus. Für projektbezogene Förderung auf Landes- und Bundesebene werden Konzepte samt Beschreibung des Vorhabens, Kosten- und Finanzierungsplan eingereicht. Meistens entscheidet eine Fachjury über die Vergabe. Solche Töpfe übernehmen in der Regel 50 bis 80 % der Gesamtkosten des Vorhabens. Die restliche Finanzierung ist von erwarteten Einnahmen durch Dritte (z.B. Zuschauer, Spenden, Privatsektor), durch Eigenleistungen der Antragstellenden und durch die Förderung von Kommunen zu stemmen. Die eher symbolische Unterstützung von öffentlichen Trägern auf kommunaler Ebene ist häufig die Voraussetzung dafür, dass Mittel für Kulturprojekte im fünfstelligen Bereich eingeworben werden können.

Königswinter müsste folglich einen bestimmten Anteil seiner Mittel zur Kulturförderung für diese Zwecke „earmarken“, um entsprechend flexibel die Einwerbung von Fördermitteln durch seine Kulturschaffenden in der Kommune zu gewährleisten.

4. Förderung von Strukturen für Kulturschaffende

Einer Studie der Kulturpolitischen Gesellschaft (2018) zufolge gibt es „eine schier unüberschaubare Fülle an Projektförderungen, Wettbewerben und Investitionshilfen von verschiedenen Trägern auf Bundes-, Länder- und EU-Ebene, die Vorhaben fördern, die den Auswirkungen des demographischen Wandels in ländlichen Räumen begegnen wollen“ (1). Bemerkenswert und für Königswinter relevant ist, dass eine interdisziplinäre oder mehrere Politikfelder übergreifende Förderung – also eine Strukturförderung – im Fokus der Förderung steht.

Das bedeutet, Kultur wird als Teil des wirtschaftlichen Auflebens, als Teil von Tourismuspolitik u.v.m. gehandelt. Für Königswinter bedeutet dies, dass Informationen über Kulturförderung generell, über die Instrumente des Bundes, der Länder, der EU und anderer Akteure wie Stiftungen gesammelt, nutzbar gemacht werden und Kultur in die Entwicklungsstrategie eingebettet wird.

Informationen liefert z.B. die Kulturförderdatenbank des Deutschen Informationszentrums Kulturförderung in Kooperation mit dem Bundesverband Deutscher Stiftungen, der Kulturstiftung der Länder und dem Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI oder die Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, Informationen der BKM im Rahmen der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft, das Portal Europa fördert Kultur oder die Informationen der DVS Netzwerk Ländliche Räume. Daneben erstellen Fach- sowie kommunale Verbände im Hinblick auf ihren Wirkungskreis Förderwegweiser von bundesweiter (z.B. die Datenbank des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen) oder regionaler Relevanz.

Neben der Beantragung von Fördermitteln der öffentlichen Hand oder von Stiftungen gilt es auch, den Privatsektor in sog. Projekten der public private partnership auf kulturellem Gebiet einzubinden.

5. Pivatsektor

Hinsichtlich der Unterstützung der Kulturpolitik durch den Privatsektor fällt einem zunächst das Sponsoring von einzelnen Veranstaltungen und Maßnahmen ein. Erstrebenswert ist aber eine nachhaltige Teilhabe des Privatsektors an der Kultur- und Kreativwirtschaft.


Fussnote:

1. „Förderung für kulturelle Aktivitäten und Infrastrukturen in ländlichen Räumen: Programme, Akteure und mögliche Synergien“, Christine Wingert, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Kulturpolitik (IfK) der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V., Veröffentlicht 2018 auf Kubi-Online (Link zum Dokument)


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