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Kapitel 3

Kulturentwicklungsplan

Im Folgenden stellen wir einen Kulturentwicklungsplan für die kommenden fünf Jahre (2021– 2025) vor.

Maßnahmen im ersten Jahr (2021)

Unserer Ansicht nach sollte Königswinter seine derzeitigen Ausgaben für Kulturförderung (0,85 Euro pro EinwohnerIn) anheben. Im ersten Jahr stellen wir uns eine Erhöhung um 2 Euro auf 2,85 Euro pro EinwohnerIn vor. Eine sofortige größere Anhebung wäre nicht nur haushälterisch kaum zu bewältigen, sie würde auch keinen Sinn machen und verpuffen: Das Kulturleben muss erst einmal in Schwung gebracht und die Strukturen und Möglichkeiten für nachhaltige Projekte schrittweise aufgebaut werden, bevor weitere Ressourcen von Bund, Ländern und der Privatwirtschaft mobilisiert und akquiriert werden können.

Veranstaltungsreihe

Im ersten Jahr sind daher die zusätzlich bereitgestellten Mittel für die Realisierung einer Veranstaltungsreihe, bestehend aus 40 einzelnen Veranstaltungen, vorzusehen. Unter aktiver Beteiligung (Planung und Durchführung) von vorhandenen lokalen Kulturvereinen und Kulturschaffenden soll sowohl im Tal- als auch im Bergbereich Kultur greifbar und sichtbar gemacht werden. Diese Veranstaltungsreihe wird auch als eine Maßnahme u.a. für die Stärkung des Selbstvertrauens aller Beteiligten und der Identifikation und Bindung mit der Stadt dienen. Transparenz und fachgerechte Entscheidungsbeteiligung sind hierbei ausschlaggebend.

In der Veranstaltungsreihe werden verteilt auf das gesamte Jahr beispielsweise Konzerte, Ausstellungen, Kabarett, Kleinkunst oder Filmvorführungen an unterschiedlichen Orten wie der Altstadt, in Oberpleis, in Dollendorf oder Thomasberg durchgeführt. Sollte die Pandemie weiter andauern oder bei fehlenden Räumlichkeiten an manchen Orten können die Veranstaltungen zunächst überwiegend in die Sommermonate gelegt werden und im Freien stattfinden.

Die Veranstaltungen sollen als eine zusammenhängende Reihe unter einem einheitlichen Namen (bspw. "Kultur in Königswinter") vermarktet und erfahrbar werden – als sichtbares Produkt der Stadt. D.h. die Veranstaltungsreihe soll als solche kommuniziert werden und als ein kontinuierliches Angebot von und für die EinwohnerInnen von Königswinter sinnlich erfahren werden. Eintrittsgelder sind hier durchaus denkbar und sinnvoll.

Im ersten Jahr werden die Kuration und Durchführung einer solchen Reihe in Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen (Kultur)kompetenten BürgerInnen, vorhandenen Kulturvereinen und Initiativen umgesetzt.

Bei der Verausgabung der erhöhten Kulturförderung bzw. der Entscheidung über die Unterstützung von Veranstaltungen im Rahmen der Reihe sollten folgende Kriterien angewendet werden:

  • Die Veranstaltungen sollten sich ausgewogen an alle Bevölkerungsgruppen wenden, d.h. an Kinder, junges Publikum, ImmigrantInnen, ältere EinwohnerInnen usw. Entsprechend dem demografischen Proporz müsste sich beispielsweise jede vierte Veranstaltung in der Altstadt auch an ImmigrantInnen richten, etwa durch Einbindung von türkischen, kurdischen, italienischen usw. KünstlerInnen.
  • Wichtig dabei ist, dass es sich nicht um Initiativen „von außen“ sondern aus der Bürgergesellschaft handeln sollte. Die Veranstaltungsreihe sollte von den bestehenden Initiativen in Königwinter getragen und diese bei der Umsetzung prioritär unterstützt werden, um die Identifikation und Bindung an die Stadt zu stärken (z.B. 7 Mountains, From Jazz With Love, Eselstall, Theaterprojekt Altstadt o.ä.)
  • Die Veranstaltungsreihe sollte sich durch Qualität und Vielfalt auszeichnen (verschiedene Genres, überregionale Acts) und auch BewohnerInnen aus benachbarten Städten sowie Touristen anziehen. Sie sollten zum Teil das qualitative Niveau haben, um z.B. mit dem Kulturangebot in Bonn konkurrieren zu können.

Runder Tisch

Bereits im ersten Jahr soll der Kultur-Ausschuss einen regelmäßigen Runden Tisch mit den lokalen Kulturinitiativen und KünstlerInnen etablieren, in dem die Bedarfe an struktureller, längerfristiger Förderung festgestellt werden. Die Kommune sollte hier auch ihre Bereitschaft signalisieren, mittel- und langfristig das Kulturleben in der Kommune stärker und kontinuierlich zu unterstützen. Denn auch bei einer Anhebung der Kulturförderung wird vor allem das erste Jahr nur mit breiter ehrenamtlicher Beteiligung der Kulturschaffenden zu stemmen sein. Diese wiederum setzt eine Selbstverpflichtung der Stadt voraus, die Kulturschaffenden auch in Zukunft nicht alleine zu lassen.

Fazit

Die Kommune sollte Priorität auf die Förderung partizipativer Projekte lokaler Kulturschaffender legen (Mobilisierung von Eigeninitiativen aus der Bürgergesellschaft, keine Maßnahmen von „oben“ sondern „bottom up“), die nachhaltig sind (keine Eintagsfliegen) und den demografischen Gegebenheiten Rechnung tragen. Wichtig ist die Konzipierung der Veranstaltungen in einer Reihe, d.h. kein loses Nebeneinander, sondern ein auf sich auf- bauendes Konzept, das Identität schafft und integriert. Hiermit wäre im ersten Jahr bereits der Grundstein gelegt, dass Kultur partizipativ erfahren und gelebt wird und Kulturschaffende sich konstruktiv aufeinander beziehen und gegenseitig stärken.

Bereits im ersten Jahr wird so das kulturelle Leben in Königswinter „wach geküsst“ (1), wie es der Deutsche Kulturrat in seiner Publikation zur Kulturpolitik in den vergangenen 20 Jahren formuliert. Königswinter hat zahlreiche Initiativen, die jedoch stärkerer Unterstützung bedürfen, um zu ihrer vollen Blüte zu gelangen. Und die Initiativen benötigen die Stadt zur Einbindung in ein Kultur- und Veranstaltungsprogramm, das sie wahrnimmt, respektiert und ihre Zusammenarbeit stärkt.

Gegen Ende des ersten Jahres werden die Erfahrungen ausgewertet, um möglicherweise aufgetretene Schwierigkeiten bei der Umsetzung zu erkennen und Lösungen für das kommende Jahr zu entwickeln.



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